Objektiv gesehen.

Tatort Internet. Ein großartiges Bild eines großartigen Fotografen und Künstlers. Und immer und jedes Mal und mehrfach die offenbar unumgängliche Frage: Welches Objektiv hast du dafür genutzt?

Ich befürchte, zu meinen Rookie-Zeiten in der Hochzeits-&Porträt-Fotografie, war ich auch der Meinung, ich müsste nur die richtige Technik haben, das richtige Objektiv und schon würden die Bilder ein Knaller.

Die Erkenntnis dass das Quatsch ist, kam relativ schnell. Was wohl auch daran liegt, dass ich fotografieren nie gelernt habe. Keine Kurse, keine Workshops. Autodidakt. Deswegen muss es für mich nicht das technisch perfekte Bild sein.Die Emotion, die ein Bild im Betrachter weckt, ist DER Punkt.

Die Geschichte hinter dem Bild ist das, was das Bild einzigartig, besonders und beeindruckend macht. Wen interessiert da schon die Linse. Mal abgesehen davon, dass eine gewisse Grundkenntnis, wie die eigene Kamera funktioniert und das Zusammenspiel von Belichtungszeit, Blende und ISO natürlich wichtig sind.

In einem Interview zum Bond-Film "Spectre" hat Christoph Waltz, der mich damit endgültig "im Sack" hatte, auf die Frage hin, wie er seine Figur (Franz Oberhauser) beschreiben würde, sinngemäß folgendes gesagt: Ich beschreibe die Figuren, die ich spiele nicht. Jeder, der sich den Film anschaut, soll sich unvoreingenommen selbst eine Meinung bilden. Für sich selbst entscheiden, welche Charaktereigenschaften diese Figur hat. Ob sie gut oder böse ist. Der Zuschauer soll einen eigenen Blick haben, ohne Beeinflussung. Denn jeder Mensch empfindet aufgrund der persönlichen Erfahrungen, Emotionen, Gefühle, Sicht, Einstellung und Charaktereigenschaften anders und der Blick für alles, was uns umgibt wird dadurch beeinflusst.

Bäm. Word. Auf den Punkt. Und deswegen ist es auch völlig egal, mit welcher Linse oder welche Belichtungszeit man fotografiert. Weil genau das der Grund ist, warum Bilder so werden wie sie sind. Und warum Bilder, die nicht dem Mainstream, sondern dem entsprechen, was du fühlst, lebst und erlebst, gut sind, wie sie sind. Und warum auch Bildstile sich entwickeln, weil man über die Jahre wieder neues erlebt und Erfahrungen macht.

Also hör auf, nach der Linse und den technischen Daten zu fragen. Fang lieber an, dich selbst und deine Kamera so einzustellen, dass sie deine Emotionen und deinen Charakter widerspiegelt. 
Solltest du Probleme mit einem von beidem haben – meld dich! Ich helf dir gern dabei, es zu lösen. 

Alles Liebe,
Anija

Kommentar verfassen

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.