Wir müssen reden.

Lange hab ich darüber gegrübelt ob und wie ich diesen Text veröffentlichen soll. Aber immer wieder komme ich an den Punkt, an dem ich die Menschen am liebsten schütteln würde.

Ein kleines Intro: Ich rauche nicht. Ich trinke selten mal einen Kaffee. Meine Sucht nach direkt gepressten Fruchtsäften habe ich auch gezwungenermaßen überwunden. Und dennoch verfärben sich meine Zähne gefühlt, als wäre ich ein kettenrauchender Kaffee-Junkie. Ok, vielleicht etwas übertrieben, aber für mich jedenfalls störend. Ein Glück gibt es die professionelle Zahnreinigung, die mich dann immer wieder von diesem vermeintlichen „Makel“ befreit. Denn, seien wir mal ganz ehrlich – ich glaube die einzige Person, der dieser Umstand wirklich auffällt, bin ich selbst. Wenn ich nämlich meinem lieben Jo davon erzähle, wie viel besser ich mich nach der Zahnreinigung immer fühle, erklärt er etwas irritiert, dass er sich zwar für mich freut, ihm das aber nie auffallen, geschweige denn stören würde. Man könnte darauf schließen, dass Jo mich nicht oft und lang genug ansieht, aber das kann und will ich nicht glauben. Nun sind Zahnverfärbungen (zumindest meine) etwas, das sich leicht ändern lässt, damit ich danach wieder gerne meine Zähne zeige. Trotzdem – ICH bin wohl alleine in der (irrigen) Annahme, dass das mein Gesicht oder mein Lachen "entstellt" (ok, wieder übertrieben… 😉 ). Zweites Beispiel: Ich besitze keine Waage. Es ist mir viel zu blöd, mir ständig Gedanken über mein Gewicht zu machen. Solange meine Klamotten passen, ist die Welt für mich in Ordnung. Und sollte die Hose doch mal zwicken, ist es an der Zeit etwas dagegen zu unternehmen und / oder sich eine neue zu kaufen.

Nun zum eigentlich Thema. Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Alte Weisheit. Selma Hayek hat einmal passend dazu gesagt (frei übersetzt): "Wie befreiend wenn man merkt, dass man selbst der Betrachter seiner eigenen Schönheit ist." Leider erlebe ich oft und gerade während meiner Tätigkeit als Fotografin, dass so viele WUNDERSCHÖNE Menschen an sich selbst zweifeln und nur die vermeintlichen Makel sehen. Und das Schlimme (oder Gute, wie man's nimmt) daran: Diese „Makel“ sieht kein anderer. Es sei eben, man weißt andere darauf hin und selbst dann hat es das Gegenüber vermutlich in 5min wieder vergessen. Ich finde gerade die Vielfalt der Menschen großartig. Und wirkliche Schönheit kommt meiner Meinung nach ohnehin von ganz tief innen drin. Jemand, der mit sich selbst im Reinen ist strahlt das auch aus. Weil man mit seiner Ausstrahlung, sich selbst zu mögen alles was vermeintlich nicht in die Phantasy-Welt der Hochglanz-Magazine und Topmodel-Sendungen passt, überstrahlt. Und man kann dann auch eine schiefe Nase, eine auslandende Hüfte, Übergröße, schiefe Zähne, unterschiedlich große Brüste (heeeey, willkommen im Club) oder sonst was haben. Es interessiert keinen. Erst recht nicht diejenigen Menschen, die dich lieben. Und denjenigen, den es interessiert und der dich deswegen für einen schlechten Menschen hält oder dich meidet oder was auch immer – den will man ohnehin nicht um sich haben, oder? An dieser Stelle jetzt bitte im letzten Satz sich selbst einsetzen. Wenn nämlich jemand anderes so mit einem reden würde, wie man es selbst manchmal tut, würde man mit dem auch nichts zu tun haben wollen.

Ich wünsche mir so sehr, dass weniger Menschen am Beginn der gemeinsamen Shootings sagen, bitte aber das und das nicht fotografieren oder darauf aufpassen, dass das kaschiert wird. Und zwar sollt ihr das nicht 'nicht sagen', weil ich darum bitte und es nicht hören will, weil ich einfach JEDEN Menschen auf seine Weise schön finde, sondern weil ich hoffe, dass ihr mit euch selbst im Reinen seid. Oder an diesen Punkt kommt. An dem man vor’m Spiegel steht und sagt „joa, hier und da hätte der liebe Gott sich etwas mehr anstrengen können, aber eigentlich ist doch alles ganz in Ordnung“. Selbstverständlich werde ich auch weiterhin auf solche Wünsche Rücksicht nehmen und mein Bestes geben, euch nur im besten Licht und von der Schokoladenseite zu zeigen. Denn das ist mein Job und mein Anspruch. Aber wie viel schöner wäre doch auch für dich das Erlebnis, wenn du dich so nimmst wie du bist und nicht z.B. wunderschöne Bilder anschaust, diese aber gar nicht genießen und so schön finden kannst, wie sie eigentlich sind, weil deine Gedanken immer sofort die (VERMEINTLICH) negativen Punkte abchecken. Dann können die Bilder für jeden objektiven Betrachter noch so schön sein, man selbst wird es nicht sehen (wollen). Ich denke, es ist normal, dass man sich nicht auf allen Bildern, die es von einem gibt, gefällt. Aber ich denke, es gibt einen Unterschied, zwischen diesem Blick und expliziter „Fehlersuche“ an sich selbst. Schau dir das Bild als Landschaft an, die dich mitreißt, die Emotionen in dir weckt, als Erinnerung an eben diesen Moment. Und hör auf, den Baum anzuglotzen, der da schief gewachsen ist. Der gehört so. Der ist genauso schön wie er da steht. 

Aktuell regnet es mal wieder. Und so viele Menschen beschweren sich lautstark darüber. Was für ein scheiß Sommer. Du kannst es eh NICHT ändern. Find dich damit ab. Klar wär’s anders schöner, aber so ist es nun mal. Und auch wenn du jetzt denkst, „naja das bisschen Regen ist ja wohl nicht so schlimm wie meine (deiner Ansicht nach) zu voluminösen Waden (oder whatever)“, dann hast du grundsätzlich recht. Aber wenn es Dinge sind, die du selbst (mit relativ einfachen Mitteln) ändern kannst, um dir selbst ein besseres Gefühl zu geben: TU ES! Wenn nicht: Find dich damit ab, werd glücklich und genieß wie ich, jedes Stück Schokolade. Und die Äußerlichkeiten, die sich nun mal nicht ändern lassen – sie gehören zu dir. Wie dein Charakter. Und genau diese speziellen Dinge, die jeden Menschen einzigartig machen, find ich extrem schön. Und das solltest du auch. Denn wie gesagt: Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Also: Schmeiß die Waage aus dem Fenster, schreib mir ne Mail und zeig dem Betrachter in deinem Kopf wie schön du bist. 

Am besten gleich bei dieser Gelegenheit —-> OH!MY!GIRLS!

Alles Liebe,
Anija 
 

2 Kommentare

  1. by Kitty on 5. September 2016  11:57 Antworten

    Wie recht du hast, manchmal braucht es vielleicht das Stück Lebenserfahrung um zu erkennen WIE recht du hast <3

    • by Anija Schlichenmaier on 5. September 2016  13:38 Antworten


      Das stimmt wohl. Ich hab da auch ein paar Jahre für gebraucht. Aber umso schöner, wenn man die Erkenntnis hat. :)

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